Top 5 Themen mit dem größten Nachholbedarf bei der Digitalisierung im DACH-Raum
Die DACH-Region – bestehend aus Deutschland, Österreich und der Schweiz – gilt als wirtschaftliche Hochburg Europas. Dennoch hinkt sie in der Digitalisierung hinterher, wie zahlreiche Studien aus dem Jahr 2025 zeigen. Der EU-Bericht zur „Digitalen Dekade 2025“ mahnt zu „schnellem und entschlossenem Handeln“, um Lücken in Infrastruktur, Kompetenzen und öffentlichen Diensten zu schließen. Die DIHK-Digitalisierungsumfrage unterstreicht, dass Unternehmen die Digitalisierung vor allem für Effizienz nutzen, aber als Innovationsmotor nur bedingt wahrnehmen. Experten wie Gerald Eid von Getronics sprechen von einem „großen Nachholbedarf“, insbesondere im öffentlichen Sektor und Mittelstand. In diesem Artikel beleuchten wir die Top 5 Themen, in denen der DACH-Raum am dringendsten aufholen muss. Basierend auf aktuellen Analysen wie dem eGovernment-Monitor 2025 und dem Deutschland-Index der Digitalisierung.
1. Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung (eGovernment)
Der öffentliche Sektor ist ein Paradebeispiel für bürokratische Hürden. In Deutschland dauern Genehmigungsverfahren wie Baugenehmigungen oder Gewerbeanmeldungen oft Wochen, während digitale Alternativen fehlen. Der eGovernment-Monitor 2025 zeigt, dass Österreich mit 70 Prozent Nutzungsquote führend ist, Deutschland jedoch bei nur 50 Prozent zurückliegt – die Schweiz hat hier sogar noch mehr Nachholbedarf in Benutzerfreundlichkeit und Transparenz. Die DIHK kritisiert die „schleppende Digitalisierung“, die den Wirtschaftsstandort belastet: Fehlende einheitliche Standards und APIs verhindern nahtlosen Datenaustausch. Lösungsvorschlag: Ein zentrales Nutzerkonto mit standardisierter Architektur, um Prozesse zu beschleunigen und Frust zu mindern.
2. Breitband- und Digitalinfrastruktur
Der Ausbau von Glasfaser und 5G-Netzen kommt im DACH-Raum nur schleppend voran. Nur ein Drittel der deutschen Unternehmen hat einen Gigabit-Anschluss, und in ländlichen Regionen ist die Versorgung unzureichend. Der EU-Bericht hebt hervor, dass der Fortschritt bei Hochgeschwindigkeitsnetzen EU-weit stockt, was DACH besonders betrifft: Hohe Baukosten, Fachkräftemangel und zähe Genehmigungen bremsen den Ausbau. In der Schweiz und Österreich gibt es ähnliche Engpässe, die Cloud- und KI-Anwendungen behindern. Der Nachholbedarf ist enorm: Bis 2030 muss die flächendeckende Abdeckung priorisiert werden, um Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
3. Digitale Kompetenzen und Fachkräftemangel
Nur 55,6 Prozent der EU-Bürger haben grundlegende digitale Skills – im DACH-Raum ist der Mangel an IKT-Spezialisten akut, verschärft durch eine Geschlechterkluft in Bereichen wie KI und Cybersicherheit. Die ExpertExtend-Analyse 2025 nennt den „Digital Skills Gap“ als kritischen Engpass für KMU, die Schulungen und Talentförderung brauchen. Gerald Eid fordert mehr Investitionen in Aus- und Weiterbildung sowie erleichterte Zuwanderung von Fachkräften. Im Vergleich zu globalen Märkten fehlt es an einer risikobereiten Kultur, die Innovation fördert.
4. Cybersicherheit
Mit der zunehmenden Digitalisierung wächst die Bedrohung durch Ransomware und KI-gestützte Angriffe. Kleine und mittlere Unternehmen im DACH-Raum sind besonders vulnerabel: Die DIHK meldet, dass fast jedes dritte Unternehmen unter IT-Fachkräftemangel leidet, was Sicherheitsmaßnahmen erschwert. DXC Technology listet 2025 KI als „Cyber-Waffe“ und kritische Infrastrukturen als Top-Risiken auf. Der Nachholbedarf liegt in maßgeschneiderten Unterstützungsprogrammen für KMU und einer einheitlichen Cybersicherheitsarchitektur, um die Industrialisierung der Kriminalität zu kontern.
5. Digitalisierung im Mittelstand und Industrie 4.0
Der Mittelstand, Rückgrat der DACH-Wirtschaft, hinkt bei der Nutzung von Technologien wie Digital Twins oder IoT hinterher: Nur 41 Prozent der Hersteller setzen sie ein, im Vergleich zu 67 Prozent in China. Die DIHK-Sumfrage zeigt, dass Digitalisierungsprojekte als zu aufwendig gelten und rechtliche Unsicherheiten bremsen. In Österreich nutzen nur 41 Prozent der Firmen mehr als drei digitale Technologien. Hier muss der Fokus auf fragmentierte Datenstrategien und Legacy-Systeme liegen, um Innovationen zu ermöglichen.
| Thema | Schätzung des Nachholbedarfs (basierend auf 2025-Studien) | Betroffene Länder im DACH-Raum |
|---|---|---|
| eGovernment | Hoch (DE: 50% Nutzung, AT: 70%) | DE, CH (stark) |
| Infrastruktur | Sehr hoch (Gigabit: 33% in DE) | DE, AT, CH |
| Kompetenzen | Hoch (Skills-Gap: 44% fehlen) | Alle gleich |
| Cybersicherheit | Mittel-hoch (KMU-Risiken steigend) | DE, CH |
| Mittelstand/Industrie 4.0 | Hoch (Digital Twins: 41%) | DE, AT |
Ausblick: Zeit zum Handeln
Der DACH-Raum hat enormes Potenzial, doch ohne mutige Investitionen in die genannten Bereiche droht ein weiterer Rückstand. Politiker, Unternehmen und Bildungseinrichtungen müssen kooperieren: Von der Abbau von Bürokratie bis hin zu EU-weiten Standards. Wie der Deutschland-Index 2025 betont, ist digitales Leben essenziell für die Zukunft – der Moment ist jetzt. Mit gezieltem Aufholbedarf könnte die Region bis 2030 zur digitalen Vorreiterin werden.

