Die 3 teuersten Fehler bei der Wahl des Entwicklungspartners

Die 3 teuersten Fehler bei Entwicklungspartnern

Ein Softwareprojekt scheitert selten an der Technik. In den meisten Fällen, die ich in den letzten Jahren begleitet habe – auch solche, bei denen ich erst später hinzugezogen wurde, um etwas zu retten – lag der eigentliche Fehler schon in der Auswahl des Entwicklungspartners. Drei Muster wiederholen sich dabei auffällig oft.

Fehler 1: Der günstigste Anbieter gewinnt automatisch

Bei Individualsoftware ist der Stundensatz die am wenigsten aussagekräftige Zahl im ganzen Angebot. Ein niedriger Satz sagt nichts darüber aus, wie viele Stunden am Ende gebraucht werden, wie oft nachgebessert werden muss oder wie wartbar der Code in zwei Jahren noch ist. Ich habe Projekte gesehen, bei denen der „günstige“ Anbieter am Ende doppelt so teuer wurde wie ein von Anfang an teurerer, aber erfahrener Partner – einfach weil ständig nachgesteuert werden musste.

Die bessere Frage ist nicht „Was kostet die Stunde?“, sondern „Was kostet mich die fertige, funktionierende Lösung – realistisch, inklusive Wartung?“

Fehler 2: Fachliche Tiefe wird mit Tool-Kenntnis verwechselt

Viele Unternehmen prüfen bei der Auswahl vor allem: Kennt der Anbieter unser Tech-Stack? Kann er Java, Spring, React? Das ist notwendig, aber bei weitem nicht ausreichend. Die eigentlich entscheidende Frage lautet: Versteht der Partner unseren Geschäftsprozess gut genug, um die richtigen Fragen zu stellen, bevor die erste Zeile Code geschrieben wird?

Ein Entwickler, der technisch brillant ist, aber die fachliche Logik hinter Ihrem Prozess nicht durchdringt, liefert am Ende eine Lösung, die zwar läuft, aber an der Realität vorbeigebaut ist. Das merkt man meist erst, wenn die ersten Anwender damit arbeiten sollen – und dann wird es teuer, es zu korrigieren.

Fehler 3: Keine klare Vorstellung vom „Danach“

Der dritte Fehler passiert schon vor dem ersten Gespräch mit einem Anbieter: Es gibt keine klare Vorstellung davon, wer die Software nach dem Going-Live betreut, erweitert und wartet. Wird das intern übernommen? Bleibt der externe Partner langfristig im Boot? Wird eine Übergabedokumentation überhaupt eingefordert?

Ich erlebe regelmäßig Projekte, bei denen die Entwicklung reibungslos lief – aber sechs Monate nach Abschluss niemand mehr weiß, wie das System im Detail funktioniert, weil es keine Wartungsvereinbarung und keine saubere Dokumentation gab. Das ist kein Entwicklungsfehler, sondern ein Auswahlfehler: Diese Frage gehört ins Erstgespräch, nicht in die Post-Mortem-Analyse.

Was das für die Auswahl bedeutet

Alle drei Fehler haben eine gemeinsame Wurzel: Sie entstehen, wenn die Auswahl allein auf Preis und Technologie-Checkliste reduziert wird, statt auf Prozessverständnis, Erfahrung mit vergleichbaren Projekten und eine klare Vereinbarung für die Zeit nach dem Launch. Wer diese drei Punkte im Erstgespräch aktiv anspricht, statt sie erst im Angebot zu lesen, bekommt in der Regel schon nach 20 Minuten ein sehr ehrliches Bild vom potenziellen Partner.


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